“Er, der bei euch das gute Werk begonnen hat,
wird es auch vollenden
bis zum Tag Christi Jesu!”
(Phil 1,6)

Apollinaris Absis

Liebe Freunde und Gäste der Apollinariskirche!

Herbst - November - Allerheiligen - Allerseelen - den Toten gedenken - Ende des kirchlichen Jahres - Regen - Sturm - die Tagen werden kürzer - die Nächte länger. Für viele Menschen ist diese Zeit des Jahres nicht die schönste Zeit. Es ist eine Zeit, die vor allem durch das Sterben der Natur und das Sterben des Menschen geprägt ist. Nehmen wir dazu noch den zweiten Golf der Corona-Zeit mit allen neuen notwendigen Maßnahmen, dann kann ein Gefühl von Trostlosigkeit und Depressivität uns ziemlich herausfordern. Zugleich müssen wir uns von neuem die Frage stellen: was ist der Sinn des Lebens, was ist der Sinn dieser Zeit? Um so wichtiger ist es dann auch, um uns auf das Wort Gottes einzulassen, damit wir von Gott her, diese, meine und unsere Zeit, deuten können, annehmen können und dadurch wachsen im christlichen Leben und in der christlichen Sinngebung.

Der Monat November weist uns auf die Vollendung des Lebens. Wir beten für die Verstorbenen und wir gedenken unserer Verstorbenen und damit werden wir auch selbst mit unserem sterblichen Leben konfrontiert: wir sind sterbliche Menschen. Früh oder spät erfährt das jeder Mensch. Niemand kommt an dieser Wahrheit vorbei. Aber wie gehen wir mit dieser Wahrheit um?  Mit welcher Perspektive und mit welcher Sinngebung lassen wir uns auf diese Wahrheit ein? Der November lädt uns ein, um uns damit auseinander zu setzen. Es ist aus dieser Sicht her, dass ich in diesem Boten die Worte des Apostels Paulus als Monatsthema wähle: “Er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, wird es auch vollenden bis zum Tag Christi Jesu!” (Phil 1,6) Wir leben auf die Vollendung des Lebens hin! Das Leben kommt zur Erfüllung. Nicht die Katastrophe und nicht die Zerstörung wartet schlussendlich auf uns, sondern die Vollendung und die Erfüllung. So wird uns die christliche Perspektive des Lebens durch Christus offenbart und verwirklicht.

In Lukas 3,32 sagt Jesus: “Am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden!” Es gibt auch Grund diesen Satz so zu übersetzen: “Mein Werk wird vollendet!” Jedenfalls deutet Jesus auf Sein Sterben und Seine Auferstehung. Gott, Sein Vater, wird Sein Werk, Sein Leben und Seine Sendung zur Vollendung führen. Jesus sieht Sein Leben aus der Perspektive Seines himmlischen Vaters, der das gute, sogar das beste Werk in Ihm und durch Ihn angefangen hat und vollenden wird, nicht nur für Ihn, sondern für die ganze Menschheit. Christliches Leben, oder noch konkreter ‘mein christliches Leben’ findet seine wahre, und darum auch seine sinnerfüllte Perspektive im Leben Jesu. In Seinem Leben, Seinem Sterben und in Seiner Auferstehung sehen wir als Christen unser Leben, vom Anfang bis zum Ende und Seiner Vollendung.

Es fängt damit an, dass wir erkennen, dass Gott in unserem Leben “das gute Werk” realisiert hat und realisieren wird. Was für eine positive Lebenshaltung! Jeder Mensch ist ein gutes Werk Gottes. Er sah, dass es sehr gut war, so hören wir im Schöpfungsbericht. Gott hat keinen Fehler gemacht bei der Erschaffung des Menschen, bei keinem Menschen! Er hat Seinen Sohn geschickt, um zur Vollendung zu führen. Das ist darum so wichtig, weil wir erkennen müssen, dass in unserem Leben, in unserer Lebenshaltung und Lebensgestaltung nicht alles so gut ist, wie es im Schöpfungsbericht heißt. Außerdem tragen wir aus unserer Lebensgeschichte noch einiges mit, was noch gut werden muss.

Gerade an diesem Punkt erfahren wir unsere Not an Erlösung, Heilung und Erneuerung unseres Lebens. Da werden wir aufgerufen, um uns für das Erlösungswerk Jesu Christi zu öffnen.

Die wahre Vollendung unseres Leben ist nicht “zu machen”, sondern ein Geschenk Gottes. Er, der es für uns am Kreuz “vollbracht” hat, wird es auch für uns vollbringen, freilich auch mit unserer Mitwirkung in dem wir Seine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit in Anspruch nehmen, jetzt und alle weitere Tage unseres Lebens.

Der Monat November geht über in den Monat Dezember, das heißt: wir werden zum Advent geführt. Wir bereiten uns vor auf das Geburtsfest Jesu, aber auch auf Sein Wiederkommen in Herrlichkeit. Früh oder spät wird dieses Wiederkommen volle Realität. Es ist ein Wiederkommen zur Vollendung unseres Lebens. Wir dürfen in froher Hoffnung erwarten und uns in diesem Warten befreien lassen von jeder Angst. Denn unser Gott, der Vater Jesu Christi und unser Vater will Sein “gutes Werk” nicht vernichten, sondern zur Vollendung und zur Herrlichkeit führen. Allerdings möge Er uns auch erlösen von jeder Gleichgültigkeit, die zur Zeit viele Menschen bewegt: als ob nach unserem Tod nichts mehr wäre!

Die Erwartung des Wiederkommens Jesu in Herrlichkeit, und damit verbunden die Vollendung von uns im Himmel, möge uns auch erlösen von jeder Passivität, als ob es nicht dazu tut, wie wir unser Leben einrichten und führen. Wenn Gott uns ein “gutes Werk” nennt und Er uns hilft mehr und mehr ein gutes Werk zu sein, ist das für uns zugleich eine große Verantwortung und Herausforderung: um Gutes zu tun!

Den Himmel erwarten soll dazu führen, dass wir hier und jetzt “an den neuen Himmel und an der neuen Erde” mitwirken. “Dein Reich komme, o Herr! Jetzt schon - und einst in Fülle!” 

P. Bartholomé

 

Allerseelen-Ablass
Angesichts der Corona-Infektionsgefahr hat der Vatikan den sogenannten Allerseelen-Ablass auf den gesamten Monat November ausgedehnt. Nehmen wir diese Gnade in Anspruch. Bei Fragen wenden Sie sich bitte ans Kloster.